FunMade.de Just kidding – Hannover

7Feb/112

Der neue Personalausweis, die Förderung und die Odyssee

Bedarf & Neugier

Seit dem 01. November 2010 kann sich jedermann den neuen Personalausweis bestellen.
Passend: Gültigkeitsende meines alten Ausweises war Ende November, so dass eine Neuanschaffung unumgänglich war. Ich hätte mich auch noch einmal für den alten (ganz nebenbei hier einmal darauf hinweisend: deutlich günstigeren) entscheiden können, aber ich bin ja neugierig. Also griff ich etwas tiefer in die Tasche und war pünktlich am erst möglichen Tag im Bürgeramt, den neuen Personalausweis zu ordern, den wahrscheinlich ersten mit eigenem Personalausweisportal.

Die Kollegen dort versammelten sich gleich einmal um meinen Bearbeiter und guckten alle beim ersten Mal zu. Na ja, ich kann es verstehen und somit war mir der Verzicht auf Abstand zur Wahrung der Vertraulichkeit und Privatsphäre erst im Nachhinein aufgefallen. Hat aber gar nicht weh getan. Da der alte ja nun 30 Tage später seine Gültigkeit verlieren sollte, fragte ich nach einem Übergangspapier bzw. alternativ der Bearbeitungsdauer des neuen. Binnen eines Monats sei das ja gar kein Problem, wurde mir zugesichert... Vorwegnehmend möchte ich darauf hinweisen, dass ich den neuen erst im neuen Jahr, also nach zwei Monaten, bekommen habe.

Ein Monat ohne Personalausweis sollte ja eigentlich gar kein Problem sein, so oft braucht man ihn ja gar nicht. Hab ich gedacht. Es sei denn, man möchte spontan zum Christmas-Shopping ins Ausland (kein Flug ohne) oder auch nur vor Ort im Elektronikmarkt eine DVD besorgen (ec Zahlung mit Unterschrift und anschließendem Kontrollblick ...). Dumm auch, wenn man mit dem Auto in eine Verkehrskontrolle kommt oder gerade mal einen LKW für einen Umzug ausleihen will. Ich glaub, ich habe das Ding noch nie so vermisst.

Wie gesagt, zwei Monate nach der Bestellung kam der angekündigte Brief mit Transport-PIN und PUK (man kennt das vom Handy), der zugleich Hinweis darauf ist, dass ich mir die ersehnte Karte nun endlich abholen kann. Wie mir später gesagt wurde, sei dieser Brief bei vielen Leuten wohl auch mal nicht angekommen. Schön, dass ich nicht bei allen Problemszenarien mitspielen muss.
Bei der Abholung wurde ich danach befragt, ob ich denn schon ein "IT Sicherheitskid" mein Eigen nennen würde. (Zur Erklärung: Damit ist ein zertifiziertes Lesegerät für den Chip im Ausweis nebst Installation der "Ausweis App" gemeint. Das Lesegerät gibt es in verschiedenen Kategorien, mit und ohne eigene Tastatur, mehr oder weniger sicher.) Das bräuchte ich, um mir eine eigene 6stellige Wunsch-PIN zu setzen (nach Eingabe der Transport-PIN, die man dann aber doch nicht dabei haben muss, es geht hier nämlich auch ohne) und um dann auch das Mehr an Möglichkeiten des neuen Ausweises nutzen zu können. "Nein. Ich bekomme ja gerade eben erst den Ausweis..." Da hat mir der nette Mensch am Counter gleich mit Hilfe seines Gerätes die Möglichkeit eröffnet, meine eigene PIN zu setzen, mal ein praktischer Service. Nur gut, dass ich zufällig gerade sechs Zahlen im Kopf hatte.

IT Sicherheitskid & AusweisApp

Tja, jetzt hatte ich das Ding mit den vielen neuen Features in der Tasche, meine Wunsch-PIN war gesetzt... Und nun? Ich brauche so ein IT Sicherheitskid mit der AusweisApp, schon allein wegen des klangvollen Namens. Nach kurzer Preisrecherche verwarf ich die Notwendigkeit ernüchtert. Ach ja, aber dann fand ich da den Hinweis auf so ein Förderungsding:

"Im Rahmen des IT-Investitionsprogramms aus dem Konjunkturpaket II stellt der Bund in den Jahren 2010 und 2011 24 Millionen Euro bereit, um die Verfügbarkeit von Lesegeräten zu fördern. Durch die Förderung können rund 1,5 Millionen so genannte IT-Sicherheitskits kostenfrei oder verbilligt ausgegeben werden."

Ich machte mich also daran herauszufinden, wie ich eins dieser 1,5Mio Teilchen bekommen kann. Eine Charge lag dem Computerheftchen "Chip" bei. Na super, ich habe die "c't" im Abo, "Chip" lese ich nicht. Außerdem hatte ich ja den Ausweis noch nicht (zur Erinnerung: als Besteller der alterersten Stunde) und habe mich darum auch noch gar nicht um so ein Kid gekümmert, soweit hatte ich mich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Sorry, aber das war ein suboptimales Aktionstiming. Die "Chip"-Leser, die meisten schätzungsweise ohne neuen Ausweis, haben jetzt so ein Kid rumliegen, ob sie wollen oder nicht. ebay wird's freuen...

Also weitersuchen... und ich fand eine offizielle Partnerliste (CHIP Communications GmbH, Cosmos Lebensversicherungs-AG, Deutscher Genossenschafts-Verlag eG, impuls systems GmbH, KKH-Allianz, Multicard GmbH, REINER Kartengeräte GmbH & Co. KG, SCM Microsystems GmbH, Star Finanz-Software Entwicklung und Vertriebs GmbH, T-Systems International GmbH), klapperte die Seiten ab (da mir auf der o.g. Liste keine Links angeboten wurden, gebe ich diesen 'Service' hier 1:1 weiter) und verlor langsam die Lust entschied mich dann aber doch dafür, ein Angebot weiter zu verfolgen, schließlich wollte ich das Ding haben.
Ich musste dann bei dem einem Partner meinen persönlichen Loginbereich einrichten, der auf dem Postweg (!!!) bestätigt wurde. Und 'schon' knapp eine Woche später konnte ich mich dort einloggen und meine nicht vorhandenen Produkte verwalten... UND da konnte ich dann auch mein IT Sicherheitskid ordern, das 'schon' eine Woche später ankam. Natürlich mit Branding des Partners. Da frag ich mich, warum das Konjunkturpaket II die Werbung und Adresssammlung dieses Partners fördern muss...

Okay, ich wäre dann soweit

Die AusweisApp ist installiert und der Personalausweis wurde erkannt und... tja... und nun? Da hab ich mal wieder gesucht und eine Liste mit ersten Akzeptanzstellen und Supportern gefunden. Allerdings hab ich meinen persönlichen Nutzen noch nicht gefunden und das Kid erst mal wieder abgezogen und eingemottet...

Wenn es dann mal richtig losgeht, werden wohl 1,5Mio vom Konjunkturpaket II (nur gut, dass es nicht der Steuerzahler bezahlt...?..!.??) finanzierte Kids in Umzugskisten oder Kellerregalen vergessen sein, keine Treiber mehr haben oder was sonst im Laufe der Zeit so passiert. Na ja, dann kauft man halt ein neues, um den nächsten neuen Personalausweis fernlegitimiert zu bestellen...

PS: Die Sicherheitsdiskussion soll hier mal kein Thema sein.

6Okt/100

Überrundet !

Es gibt immer wieder diese Momente, an denen man selbst festmachen kann, dass die Zeit stetig voranschreitet. Abgesehen von kurzen Wehmutsgedanken ist das ja auch gut so und kaum einen Blogbeitrag wert. Heute allerdings fühle ich mich, ich will es mal überrundet (überhholt hat so einen Nebengeschmack) nennen.

Was ist passiert?

Es war 1982, als ich nach ersten Telespielerfahrungen (Atari) mir mit stolz geschwellter Brust meinen ersten Heimcomputer, einen Sinclair ZX Spectrum 48K (Z80 Prozessor @ 3,5 MHz und ja, das M steht für Megahertz sowie das K für Kilobyte - Sinclair auf Wiki). Er setzte sich vom C64-Mainstream neben seiner Gummitastatur auch durch eine eingeschworene Fangemeinde ab. Ich lernte Basic, Maschinencode, Floatingpointberechnungen ... eben alles was nötig war, sich seine eigenen Programme zu schreiben. Ich war in der Zukunft angekommen, ein tolles Gefühl!

Heute, 28 Jahre später, habe ich mir eine App (Link) auf mein iPhone (PS: mit 32GB, das ist das ca. 699051 fache von 48K) geladen. Diese App beinhaltet eine authentische Sammlung alter ZX Spiele (beim Spectrum konnte man nur je ein Spiel in den Speicher laden, von Kassette!) mit extra reduzierter Grafik und extra miesem Ton...

Der Stolz von damals am Gürtel von heute.

25Aug/100

Fehlermeldungen können auch schön sein

Da wollte ich gerade mal wieder einen Tweet auf meine Timeline loslassen (Twitter), da erscheint nach längerem Warten eine Fehlermeldung. Aber anstelle eines "System überlastet... ätsch!" kam eine, wie ich finde, sehr charmante Grafik, die einen lächeln und das Problem vergessen lässt.

Twitter Fehlermeldung

Twitter ist überlastet

Dann versucht man es einfach später nochmal...

Ihr Softwareentwickler da draußen, nehmt Euch daran mal ein Beispiel ;-)

25Feb/100

CeBIT 2010 in Hannover: moderater Ausnahmezustand

Nächste Woche ist es endlich wieder soweit: die CeBIT (übrigens ist der Name die Abkürzung für „Centrum der Büro- und Informationstechnik“) öffnet in Hannover der IT Welt sowie den Nerds und Geeks ihre Tore und präsentiert weltbewegende sowie neue Dinge und Dienstleistungen auf Ständen, in Konferenzen und Meetings sowie beim zwanglosen ComeTogether in den Abendstunden. Leitmesse, Wegweiser, Publikumsmagnet...?

Die Erfolgsgeschichte der CeBIT (vgl. www.cebit.de) ist steil nach oben gerichtet. Als in der Goldgräberphase des Mobilfunk die Messe zu platzen drohte, wurde sie Mitte der 90er "reprofessionalisiert": die Besucherpreise wurden auf Fachbesucherniveau gesteigert und der Home-Ableger für die Privatbesucher..., na ja, der floppte. Praktischerweise sind die Preise auf ihrem neuen Niveau geblieben. In Zeiten sinkender Besucherzahlen (etwas, das man statistisch nicht gern sieht, hängt davon doch letztlich der wirtschaftliche Erfolg ab) werden Freikarten wie warme Semmeln verteilt. Veranstalter erhalten (so hab ich es mehrfach mitbekommen) großzügige Kontingente an Freikarten zur Verteilung gestellt (Anreiz für Aussteller und Besucher). Gleichzeitig beginnen die Aussteller zu sparen: Die großen Teasershows mit den Größen des Entertainment sind rar geworden, die Fläche und der architektonische Anspruch der Stände nimmt ab und manches Unternehmen bleibt ganz fern. Die CeBIT auf dem Weg in die zweite Liga?

Im Zeitalter des Internet gewinnt eine Messe nach meinem Empfinden in erster Linie durch das haptische Element an Interesse, d.h. ich kann dort mal ein Produkt in die Hand nehmen, ansehen und bedienen. Wirklich neu ist dagegen kaum noch etwas. Die Großen präsentieren ihre Produkte zeitnah auf eigenen, medienwirksamen Shows. Zum Beispiel präsentiert Apple sein iPad ja auch nicht auf der CeBIT. Und die Information und der direkte Kontakt? Meines Erachtens lassen sich die meisten Fragen ohne den Stress eines übervollen Messestandes per Mail, Conferencing, Forum, Tutorials etc. schneller und direkter beantworten. Dennoch, Fachbesucher kommen auf ihre Kosten, schließlich planen sie ihre Termine im Vorfeld, Geschäfte werden gemacht, Gespräche geführt, Impressionen und Ideen gesammelt. Nerds und Geeks werden gebauchpinselt, Endkunden bekommen Werbegeschenke, die Marketingabteilungen sind in ihrem Element. Auch die Personalabteilungen kommen bei Bewerbungsgesprächen und Recruitingmaßnahmen „ganz nebenbei“ auf ihre Kosten. Viele Unternehmensbereiche neben dem eigentlichen Produkt werden auf einer Messe erfolgreich berücksichtigt.

Noch vor drei bis vier Jahren war für Hannoveraner die Stadt während der CeBIT Sperrgebiet. Straßen und Restaurants waren übervoll und in Clubs und Discos war Ausnahmezustand. Im letzten Jahr war ich am Messemontag spontan mit Freunden essen gegangen und wir hatten freie Auswahl bei den Tischen und in den sonst so vollen Clubs war es überschaubar.

Die CeBIT scheint etwas ruhiger geworden zu sein und über ein Freiticket hat sich wohl auch noch niemand geärgert. Wenn man dann noch nach einigen guten Gesprächen und Geschäftsabschlüssen gemütlich essen und eventuell auch tanzen gehen kann, so ist das doch eher positiv zu bewerten.

Sehen wir mal, was Hannover dieses Jahr erwartet. Ich werde die CeBIT auf jeden Fall besuchen. Ich freue mich darauf und ich denke, es wird spannend.

17Feb/100

Wahnsinn 2.0 – Jetzt ist Fastenzeit

Einst war die Welt analog. Verabredungen wurden weit im Voraus getroffen, räumliche Trennungen durch Briefe erträglich und Musik knackte ob der Kratzer auf den Platten und im Fernsehen gab es noch Sendeschluss. Es folgten Anrufbeantworter, 24h Fernsehen, Fax, Internet, Email und SMS. Aber ich will hier keine Fortsetzung von "Generation Golf" verfassen. Dennoch, die alten Tage hatten ihren ganz eigenen Flair und rückblickend auch eine gewisse Gemütlichkeit.

Mittlerweile (schon eine ganze Weile) sind wir im Web 2.0 angekommen. Soziale Netzwerke und Dienste "erleichtern" uns unser Leben im und mit dem Internet, unserem Second Life (Apropos: Nutzt noch jemand diese Plattform? - Ich meine hier die Zeit des Tages, die man im Internet verbringt).
Bei Eintritt in das erstes Social Network erscheint alles recht angenehm. Man trifft auf alte Bekannte aus Schulzeiten, hat fast immer aktuelle Kontaktdaten seiner mehr oder weniger guten Freunde im Zugriff und man lernt auch neue Leute zumindest virtuell kennen. Wie gesagt, beim ersten Social Network ist alles hip und spannend.
Im Web läuft es jedoch wie überall in der Wirtschaft: Einer macht etwas vor, andere machen es durch den Erfolg des Ersten angestachelt nach und durch die Abstimmung mit den Füßen (Angebot/Nachfrage) setzen sich letztlich einige wenige durch. Der Prozess braucht allerdings seine Zeit und nicht immer setzen sich die Besten durch sondern vielmehr die mit dem besten Marketing (aber das ist ein anderes Thema). Also tritt man, um allen seinen Freunde gerecht zu werden, in mehrere Netzwerke ein. Und in noch mehr. Und dann gibt es ja noch die Netzwerke für Business (XING, LinkedIn etc.) und die für Privat (facebook, meinVZ, lokalisten, stayfriends, goolive etc.). Und am nächsten Tag muss ich dann ja auch nachsehen können, wo ich gestern war und wen ich dort nicht gesehen habe (virtualnights, sceneevents etc.) bzw. was die nächsten Tage für Must-Termine bringen.

Hinzu kommt, dass man virtuelle Freundschaften mit Menschen aufbaut, mit denen man im RealLife nicht sprechen würde, Fotos (flickr, fotocommunity etc.) und Videos (youtube, myvideo etc.) teils extrem privater Natur verbreitet, seine Bookmarks in Social Bookmarkdiensten (delicious, mister-wong etc.) speichert, seine Termine online abstimmt (doodle), in seinem Blog (wordpress etc.) oder Microblog (twitter etc.) der Onlinegemeinde mehr oder weniger wichtige Dinge mitteilt, man sich ohne Zeitverzug quer über den Globus kontaktiert, egal ob per SMS, Email (gern auch per Push), VoIP (skype etc.) oder gar jeden Ortswechsel GPS-gesteuert dokumentiert (foursquare etc.). Alles just-in-time und auch unterwegs über diese kleinen, tragbaren Computer. Äh, sorry, "Telefone". Kein Schritt, ohne irgendein Medium bedienen zu müssen, ohne mehr Zeit des RealLife an das SecondLife zu verlieren, die Balance wird schwerer zu halten.

Und ich habe den Konsum von Nachrichten jeglicher Ausprägung, die Partnersuche, Onlinespiele und wahrscheinlich zig weitere Lebens- und Informationsbereiche ausgespart.

Nettes Beispiel: ‚Damals’ stellte man sich an die Haltestelle und wartete auf den Bus. Heute guckt man erst mal nach (efa etc.) wann dieser erscheint und stellt fest, dass man ihn wohl gerade verpasst hat.

Den Stecker zu ziehen, wäre radikal, aber nicht die Lösung. Unser heute bringt eben neue Herausforderungen mit sich. Ich praktiziere "Simplify your Secondlife"!
Ich habe mir, auch um den Überblick über alle meine Anmeldungen zu behalten, eine Linkliste angefertigt. Die hab ich dann nach Nutzungshäufigkeit gruppiert und so die für mich interessanten Portale herausgefiltert. Zudem poste ich ohnehin nicht jeden meiner Schritte, das geht Euch nämlich auch gar nix an und ich bin dazu auch viel zu bequem, trotz iPhone.
Als nächsten Schritt schaut man sich mal seine "Freunde" in den Foren an, die man im Laufe der Zeit oftmals wie Trophäen gesammelt hat. Sollen die wirklich mitkriegen, was ihr auf diesem Portal zu sagen habt? Kennt Ihr sie überhaupt? Hier darf man auch mal aussortieren, es ist ja nicht böse gemeint.

Fastenzeit 2.0

Mit etwas Zeitaufwand ist könnt Ihr jetzt nach dem Karneval und noch vor Ostern - ja, das ist die Fastenzeit - einen SocialWeb-Entschlackungskurs einschlagen und seid dann gerüstet für die warmen Tage, frei von 2.0-Fesseln in freier Natur.

Mal sehen welche Bugs und Features 3.0 für uns bereithält...
Jörg