Flucht durch Hannover (Mister X in RealLife)
Samstag, 02. April 2011, eine Gruppe von 6 Menschen trifft sich an der Kröpckeuhr im Herzen Hannovers, besprechen sich kurz, zücken ihre Smartphones. Ein Kanon von "Ping"-Geräuschen ertönt, wie man sie aus U-Boot Filmen kennt. Schließlich wird es still in der Runde, Handys werden in der Mitte der Runde scheinbar zusammengehalten und plötzlich rennt einer weg. Die anderen reden noch zwei Minuten und verschwinden in alle Richtungen, ihrem jeweiligen Handy hinterher, das sie vor sich tragen.
Diese Szene muss auf die Umstehenden recht bizarr wirken. Vor allem, wenn sie einen der Gruppe später an anderer Stelle in der Stadt immer noch seinem Handy nachrennend wieder sehen. Was ist hier los?
Hier treffen sich Neue Medien und die reale Welt, hier wird eine Stadt zum Spielfeld für eine abgewandelte Version des Ravensburger Spieleklassikers "Scotland Yard" und die Gruppe von Menschen, das sind die Spielfiguren. Damit das RealLifeSpielbrett überschaut werden kann, wird eine App auf die Smartphones (iPhone oder Android mit GPS-Modul und Datenflatrate) installiert, die einen Stadtplan nebst den Spielerpositionen anzeigt. Dazu verwendet die App die GPS Ortungsfunktion des Handys.
Mister X rennt los und bekommt einen Vorsprung. In den Spieleinstellungen lassen sich die Größe des Spielfeldes (Radius um den Ausgangspunkt) sowie das Zeitintervall zur Anzeige der Position von Mister X einstellen. Dessen aktuellen Aufenthaltsort sehen die Detektive nur alle z.B. zwei Minuten. Das macht den Reiz beim Versuch ihn einzukesseln und zu schnappen aus. Schaffen dies die Verfolger in der eingestellten Zeit nicht, so gewinnt Mister X. Dieser sieht die aktuellen Positionen und Bewegungen seiner Verfolger in Realtime.
Beide Seiten haben zudem einige Gadgets, die, zur richtigen Zeit angewendet, sehr hilfreich sein können: Tarnkappen, Nebelbomben, Schreie etc. Die Detektive können sich sogar per Telefonat und Konferenzschaltung koordinieren (wenn sich alle mit Telefonnummer angemeldet haben).
Nettes Feature zum Schluss: Wenn das Spiel beendet ist, wird der Weg zum Ausgangspunkt und zudem Cafés und Kneipen in der Umgebung angezeigt. Verbesserungsvorschlag: die Spieler (z.B. Mister X) sollten einen Sammelpunkt nach dem Ende selbst festlegen und übermitteln können, da der Startpunkt durchaus recht weit entfernt sein kann.
Die App wird vom Hersteller als „Forschungsprototyp” bezeichnet. Dennoch haben wir keine Abstürze erlebt. Nur manchmal zickte die GPS-Ortung, was gerade beim Spielstart etwas störend war, aber dafür kann die App wohl nichts.
Nach dem Spiel bekommen die Mitspieler eine Mail mit einem Link zu einer kml-Datei, die sich mit Google Earth anzeigen lässt. Dort sind alle Wege der Mitspieler noch einmal genau betrachtbar und besprechbar. Sehr schön (vgl. Bild).
Die App ist kostenlos, das Wetter war super, die Runde klasse. René G., unser "Socialhub" (die Wortkreation des Tages), hat den Spieltag initiiert und Mitspieler organisiert. Wir haben zwei Spiele gespielt und den Tag mit einem spontanen Grillen beendet. Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Termin, den wir stilecht per Facebook Gruppe synchronisieren.
Auch wissen wir nun, dass einige Regeln aufgestellt werden müssen: GPS versagt in Räumen, daher darf man nicht in Gebäude, zudem wäre es im Kaufhaus nicht möglich, die Etage auszumachen. Außerdem muss die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrädern etc. abgesprochen werden (Mister X hat uns durch eine kurze Fahrt mit der Stadtbahn ganz schön irritiert und gescheucht).
Einzig die Akkuleistung der Smartphones hat den Spieltrieb gebändigt. Wenn man eine Stunde mit aktivierter Ortung und leuchtendem Screen unterwegs ist, neigt sich der Akku dem Ende entgegen. Ach ja, einen Effekt hat das Spiel noch: man ist im Freien und läuft viele, viele, viele, sehr viele Meter, echt sportlich.
Auch Varianten mit Autos oder mit dem Rad wurden schon andiskutiert.
Auf jeden Fall werden wir Mister X noch häufiger jagen...
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